Jedes Alter zählt – Gemeinsam gegen Altersdiskriminierung
Wurden Sie schon einmal aufgrund Ihres Alters anders behandelt?
Vielleicht wurden Sie schon einmal als «zu alt» oder «zu jung» für etwas bezeichnet. Oder vielleicht haben Sie sich abgewiesen, übersehen oder unterschätzt gefühlt – und das einzig aufgrund der Anzahl Geburtstage, die Sie gefeiert haben.
Wir alle verwenden Alter, oft unbewusst, um Menschen zu kategorisieren, ihnen Stereotypen zuzuschreiben und Annahmen über sie zu treffen. Problematisch wird es, wenn solche Annahmen dazu führen, dass Menschen unfair behandelt oder ausgeschlossen werden. Das nennen wir Altersdiskriminierung.
Altersdiskriminierung bezieht sich auf Stereotypen (wie wir denken), Vorurteile (wie wir fühlen) und Diskriminierung (wie wir handeln) aufgrund des Alters gegenüber anderen oder auch gegenüber uns selbst. Wir alle können in jedem Alter davon betroffen sein. Mit zunehmendem Alter hat Altersdiskriminierung jedoch weitreichendere negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere gesellschaftliche Teilhabe (Barber et al., 2024; Chang et al., 2020; Levy et al., 2002).
Altersdiskriminierung in der Schweiz
In der Schweiz ist Altersdiskriminierung eine verbreitetes, aber noch immer wenig beachtete Herausforderung.
Im Jahr 2025 gaben 43 Prozent der Menschen aller Altersgruppen an, in den letzten fünf Jahren mindestens einmal Diskriminierung aufgrund des Alters erlebt zu haben (Berner Generationenhaus, 2025). Altersdiskriminierung kann in verschiedenen Lebensbereichen auftreten. Forschung zeigt zum Beispiel, dass:
- Ein Drittel der älteren Menschen in der Schweiz davon berichtet, im Gesundheitswesen Altersdiskriminierung erlebt zu haben (Rehbert &Moser, 2012).
- Ältere Menschen in der Schweiz hinsichtlich Zugang zu digitalen Technologien mit Benachteiligungen konfrontiert sind (Repetti & Fellay-Favre, 2024).
- Altersbedingte Vorurteile die Chancen verringern kann, eine neue Arbeitsstelle zu bekommen und soziale Zugehörigkeit am Arbeitsplatz zu erleben (Berner Generationenhaus, 2025; Oesch, 2019, 2020).
Trotz dieser Zahlen bleibt das Thema in der öffentlichen und politischen Diskussion weitgehend unsichtbar. Es gibt zudem bislang keine koordinierte Initiative, die über Altersdiskriminierung informiert und sensibilisiert.

Um Altersdiskriminierung stärker ins Bewusstsein zu rücken, hat das Team von «Jedes Alter zählt» gemeinsam mit einem Sounding Board von Menschen ab 60 Jahren eine neue digitale Plattform entwickelt. Die Plattform ist jetzt online unter: https://jedesalter.ch.
Sie lädt dazu ein, sich über Altersdiskriminierung zu informieren, eigene Erfahrungen zu teilen und aktiv zu werden.
Ihre Erfahrung zählt: Teilen Sie Ihre eigene Geschichte mit der Community
Haben Sie selbst schon einmal unfaire Vorurteile oder Benachteiligungen aufgrund des Alters erlebt – oder beobachtet, wie anderen Menschen so etwas widerfahren ist? Oder haben Sie positive Erfahrungen gemacht, in denen Menschen verschiedenen Alters geschätzt oder ein gutes Miteinander zwischen Generationen spürbar wurde?
Ob persönliche Erlebnisse, Eindrücke oder Beobachtungen: Auf der Plattform können Sie all das in einem freien Text teilen. Ihre Stimme hilft nicht nur anderen, sich gesehen zu fühlen, sondern unterstützt auch Forschung und kann Veränderungen durch Sensibilisierung anstossen.
Das Teilen von eigenen Erfahrungen auf der Plattform ist einfach, auf Wunsch anonym und dauert nur wenige Minuten. Jede Stimme trägt einen wichtigen Teil zum Gesamtbild in der Schweiz bei.
Machen Sie mit und werden Sie Teil des Wandels
Neben dem Teilen Ihrer Erfahrungen gibt es viele weitere Möglichkeiten, Teil der Community zu werden:
- Lernen Sie mehr über Altersdiskriminierung
- Helfen Sie mit, das Bewusstsein in Ihrem Umfeld zu schärfen
- Laden Sie andere zur Plattform ein
- Engagieren Sie sich ehrenamtlich im Team von «Jedes Alter zählt»
Wir freuen uns, wenn Sie sich «Jedes Alter zählt» anschliessen, um sich für eine altersinklusive Schweiz einzusetzen. Denn: Jedes Alter zählt. Auch Ihres.

Referenzen
Barber, S. J., Shoemaker, K. J., & Dotson, V. M. (2024). Ageism Harms Older People’s Health, Cognition, and Well-Being: A Selective Review and Policy Recommendations. Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences, 11(2), 190–198. https://doi.org/10.1177/23727322241268400
Berner Generationenhaus. (2025). Generationen-Barometer 2025—Was jung und alt bewegt. Sotomo. https://www.begh.ch/generationen-barometer
Chang, E.-S., Kannoth, S., Levy, S., Wang, S.-Y., Lee, J. E., & Levy, B. R. (2020). Global reach of ageism on older persons’ health: A systematic review. PLOS ONE, 15(1), e0220857. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0220857
Levy, B. R., Slade, M. D., & Kasl, S. V. (2002). Longitudinal Benefit of Positive Self-Perceptions of Aging on Functional Health. The Journals of Gerontology Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 57(5), P409–P417. https://doi.org/10.1093/geronb/57.5.P409
Oesch, D. (2019). Discrimination in the hiring of older jobseekers: Evidence from two survey experiments in Switzerland. LIVES Swiss Centre of Expertise in Life Course Research. https://doi.org/10.12682/LIVES.2296-1658.2019.81
Oesch, D. (2020). Discrimination in the hiring of older jobseekers: Combining a survey experiment with a natural experiment in Switzerland. Research in Social Stratification and Mobility, 65, 100441. https://doi.org/10.1016/j.rssm.2019.100441
Rehbert, W., & Moser, B. (2012). Discrimination liée à l’âge en Europe et en Suisse: Le point de vue des personnes concernées [Age discrimination in Europe and Switzerland: The viewpoint of those concerned]. In F. Bühlmann, C. Schmid Botkine, P. Farago, F. Höpflinger, D. Joye, R. Levy, P. Perrig-Chiello & C. Suter (Hrsg.). Rapport social 2012: Générations en jeu (pp. 154–174). Seismo.
Repetti, M., & Fellay-Favre, E. (2024). Ageism and the digital divide in Switzerland during COVID-19: Lessons for the post-pandemic world. Journal of Aging Studies, 69, 101227. https://doi.org/10.1016/j.jaging.2024.101227